Ansprache zu “Firas Maraghy im Hungerstreik für sein Recht auf Bewegungsfreiheit”
Reden & Publikationen
22. August 2010
Firas Maraghy im Hungerstreik für sein Recht auf Bewegungsfreiheit
Ansprache
Fanny-Michaela Reisin(Präsidentin)
Kundgebung 15. August 2010
Im Namen des Vorstands der Internationalen Liga für Menschenrechte erkläre ich unsere Solidarität mit Firas Marghy und seiner kleinen Familie in Berlin sowie seiner Herkunftsfamilie in Ostjerusalem. Mit seinem schweren am 26. Juli begonnenen Hungerstreik vor der Botschaft des Staats Israel in Deutschland kämpft Firas Maraghy für sein elementares, allumfassende Menschenrecht auf Rechte. Jeder Mensch ist eine Rechtsperson! Er kämpft für sich und seine Familie um dauerhaftes Wohnrecht in seiner Heimatstadt Ost-Jerusalem. Und eigentlich kämpft er um eine Staatsangehörigkeit und um die bürgerlichen Grundrechte. Diese sind ihm vom Staat Israel zu garantieren. So lange Israels Regierungen das Besatzungsregime aufrecht erhalten und den Aufbau eines souveränen Staats Palästina mit Hauptstadt Ostjerusalem vereiteln.
Er kämpft um Rechte, die zu gewährleisten und zu verteidigen alle Mitgliedstaaten der UNO völkerrechtlich verpflichtet sind. So auch die Bundesrepublik Deutschland.
Gestatten Sie mir zu Beginn eine persönliche Bemerkung. Ich selbst wurde in Jerusalem jüdischen Eltern geboren, die vor dem Antisemitismus und den Nazis in Europa dorthin geflüchtet waren. Ich bin Jüdin und israelische Staatsbürgerin.
Als ich Firas Maraghy zum ersten Mal vor dem israelischen Botschaftsgebäude aufsuchte und ihm sagte, dass ich an seiner Seite für die Erhaltung des heiligen Jerusalems für alle kämpfe, stand ersichtlich geschwächt – von seinem Sitz auf und sagte: „Ich liebe Jerusalem am Freitag, am Shabbat und am Sonntag. Ich werde immer dafür kämpfen, dass Nachkommen aller Religionen, Juden, Christen und Moslems in der Stadt frei und stolz leben können.“
Ich frage:
Wie blind müssen die Stadthalter Israels sein, nicht zu erkennen, dass Jerusalem durch Bürger wie Firas Maraghy am leidenschaftlichsten und besten verteidigt wird. Dass Jerusalem nur durch eine solche Haltung bleiben wird - letztlich auch für uns Juden und Jüdinnen nur so bleiben kann?